Übergewicht: Sind unsere Darmbakterien schuld?

Unser Darm beherbergt eine große Menge an für uns wichtigen Mikroorganismen, die sogenannte Darmflora. Sie helfen bei der Verdauung von Nahrungsbestandteilen, manche produzieren Vitamine und spielen auch eine Rolle bei der „Kalibrierung“ des Immunsystems.

Es wundert uns daher nicht, dass die Darmflora auch bei Übergewicht eine Rolle spielen dürfte.

Im Rahmen einer Studie der Yale University fanden die Forscher heraus, dass Menschen mit Übergewicht mehr jener Typen von Bakterien in ihrer Darmflora besitzen, die besonders effizient Kohlehydrate aufspalten. Letztere werden anschließend – wie bei allen Menschen – in essentielle Fettsäuren umgewandelt, die dem Körper als Kalorien bzw. Energie zur Verfügung stehen. Im Gegensatz dazu scheiden Normalgewichtige den Anteil an Kohlehydraten, der nicht zerlegt werden konnte, wieder aus, ohne diese Zusatzkalorien aufgenommen zu haben.

Ist die Zusammensetzung der Darmflora vorgegeben oder kann man seine Darmflora verändern? Offenbar ist alles, was wir in unseren Darm aufnehmen, seien es Lebensmittel oder auch Medikamente, beteiligt an der Veränderung unserer Darmflora. Natürlich gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die eine Rolle spielen. Was uns naturgemäß interessiert ist: Kann man Gewicht abnehmen, in dem man seine Darmflora verändert? Oder anders formuliert: Wie wird man die „Dickmacher“ unter den Darmbakterien wieder los?

Steinzeit-Ernährung gegen Fettpolster

Es ist tatsächlich ganz einfach: Weniger Kohlehydrate essen hungert die Dickmacher aus! Reis, Nudeln, Brot – all die Getreideprodukte sowie Zucker verwandeln sich dank kohlehydratliebender Darmbakterien schnell in unliebsame Fettpölsterchen. Die sogenannte „Paläolithische Diät“ baut auf diesem Grundsatz auf: Nur wenig Kohlenhydrate, am besten in Form von Obst und Gemüse, und – wie der Name vermuten lässt – keine industriell verarbeiteten Lebensmittel. Paläolithikum bedeutet Altsteinzeit. Optimalerweise sollte nur gegessen werden, was damals, vor mehr als 10.000 Jahren, auf dem Speiseplan der Menschen stand: Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst etc.

Gesundes Abnehmen mit ärztlicher Hilfe

Sollte auch diese Ernährungsumstellung keinen Erfolg bringen, kann eine ärztlich unterstützte Gewichtsabnahme Abhilfe verschaffen. Nach der Erhebung des aktuellen Gesundheitsstatus wird für den/die Patienten/in ein individuelles Therapieprogramm erstellt, das neben diätischen und sportlichen auch medikamentöse Maßnahmen oder begleitende operative Eingriffe einschließen kann.

Häufig erweist sich am Beginn der ärztlich unterstützten Gewichtsabnahme eine Fettabsaugung mit Mikrokanülen als sinnvoll. Wichtig ist, dass die Fettabsaugung vor der geplanten Gewichtsabnahme erfolgt, um das weitere Abnehmen zu erleichtern. Sie wird ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt und ist besonders schonend. Durch die Fettabsaugung können diätresistente Problemzonen erfolgreich korrigiert werden. Außerdem wird durch die Absaugung die Anzahl an Fettzellen reduziert, die zur körpereigenen Produktion des Hormons Östrogen beitragen. Östrogen ist das weibliche Geschlechtshormon, das die Speicherung von Fett im Körper begünstigt.

Gewichtsreduktion durch bioidentische Hormone

Der anfängliche Gesundheitscheck beinhaltet eine Analyse der Hormonlevel, da ein Hormonungleichgewicht ebenfalls häufig Mitschuld am Übergewicht ist und für hartnäckige Fettdepots verantwortlich sein kann. Hier spielen Minderleistungen der Schilddrüse eine häufig nicht erkannte Rolle. Bei Wiederherstellung eines gesunden Hormongleichgewichts mittels bioidentischer Hormone, die den körpereigenen in ihrer Struktur gleichen, kann eine Gewichtsabnahme deutlich erleichtert werden.

Alternativ zu einer Untersuchung der Darmflora kann man bei einem/einer Übergewichtigen auch einfach durch eine variierende Zufuhr von Kohlenhydrate herausfinden, ob dickmachende Darmbakterien vorliegen. Dies sollte im optimalen Fall im Rahmen einer ärztlich unterstützten Gewichtabnahme erfolgen. Natürlich spricht aber nichts dagegen, dies selbst auszuprobieren, indem man „Low-Carb“ isst und schaut, was die Waage sagt, meint

Ihr DDr. Heinrich

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